Kölner Gemeinschaften von Jerusalem feiern ihre drei ersten Monate

„Siehe, ich mache alles neu.“

Ein Neubeginn ist immer ein großes Abenteuer und so möchten wir mit Ihnen einige unserer Eindrücke der ersten Monate teilen.

Zuerst wollen wir ein lautes Danklied unserem Gott singen und allen, die gekommen waren, um diese unvergesslichen Tage der Gründungsfeierlichkeiten mit uns zu erleben. Wir sind tief berührt von den zahlreichen Zeichen Ihrer Freundschaft, die Sie uns haben erfahren lassen: durch das gemeinsame Beten, die geteilte Freude, wie auch Ihre materielle oder finanzielle Unterstützung. Wir danken Ihnen von ganzem Herzen!


Es ist schwer, treffende Worte zu finden, die unsere tiefe Dankbarkeit beschreiben könnten und die so herzlich erfahrene Aufnahme, die uns die Kirche hier, in Groß Sankt Martin am Ufer des Rheins bereitet hat. So können wir gemeinsam bezeugen, was es bedeutet, eine Gründung zu beginnen aus der Osterfreude heraus: es heißt erfahren, das Gott wahrhaftig auferstanden und in seiner Kirche lebendig ist; erfahren, dass im Alltag seine Gegenwart greifbar und mächtig zu spüren ist. Während der gesamten Osterzeit haben wir auf eine gewisse Art die Apostelgeschichte neu erlebt, ja gelebt, und es geht immer noch weiter: wir hören nicht auf, mit dem Herzen die Vorsehung Gottes zu erfassen, die sich um alles sorgt und uns selbst in den täglichen Kleinigkeiten immer wieder neu aufstrahlt. Die ersten Psalmen auf deutsch, die ersten Gebetszeiten, Mahlzeiten, Kapitel, Rekreationen, erste Gäste, das erste Mal die Messe von Rangueil auf deutsch, Vigilfeiern, Wüstentage... wie schön sind doch die ersten Schritte einer Gemeinschaft!

Nachdem also alle Schwestern und Brüder, Freunde und Familien wie die drei Weisen auf einem anderen Weg zurückgekehrt waren, galt es, sich ganz den Psalmen, Antiphonen, Kommentaren für das Mittagsgebet und Predigten zu widmen... natürlich alles auf deutsch. Sicherlich muss man gut ar-ti-ku-lie-ren, doch wir können mit Freude sagen, dass sich das Deutsche hervorragend für unsere Gesänge eignet. Zu Himmelfahrt haben wir dann unsere ersten Vigilien gefeiert und waren davon selbst so tief erfüllt von der Gnade, dass diese unsere Kirche am Abend noch viel himmlischer wirkt, dass wir ohne zu zögern die Reihe der Vigilien fortgesetzt haben: Pfingsten, Fronleichnam und schließlich zum Fest Johannes’ des Täufers.

Auch die Aufnahme durch die Ortskirche ist hervorragend und die Offenheit der Kölner und ihre Herzlichkeit bewegt uns sehr, tritt sie doch überall in Erscheinung. Seit unserer Ankunft durften wir die Erfahrung machen, dass diese Kirche zudem gut, sogar sehr gut besucht ist. Selbst vor den Laudes kommen bereits einige treue Seelen, um mit uns gemeinsam in Stille betend den Tag zu beginnen. Sie sind (noch?) an einer Hand abzuzählen, doch sie sind treu. Beim Mittagsgebet sind viele bereits schon vor uns da, um in die Stille dieser so schönen und betenden Kirche einzutauchen. Doch am meisten überraschen und die Abende und Sonntage, mit dem Kommen so vieler verschiedener Menschen: Kinder, Jugendliche, Ordensleute, Familien, einige von weit her, andere wohnen um die Ecke. Und besonders wichtig zu betonen ist ihre Freude am Singen! Nach einigen Wochen haben sie sich bereits gut in unser Repertoire hineingefunden und ergreifen jede Gelegenheit mitzusingen oder neue Gesänge zu erlernen. Man spürt, wie wichtig in diesem Land die Tradition der Kirchenmusik ist und wie sehr sie den Menschen am Herzen liegt. Ebenso zahlreich sind die Besucher, die sich einen Augenblick Zeit nehmen, um Fragen zu stellen am Begrüßungstisch – ein Angebot, dass wir den ganzen Tag aufrecht erhalten können dank der Unterstützung von Laien, die zwischen 13 und 15 Uhr präsent sind und so den Besuch der Kirche ermöglichen. Viele wollen erfahren, wer wir sind, was „monastisch“ bedeutet, warum wir den Namen der Stadt Jerusalem im Namen tragen, etc. Indem all diese Menschen, ob von fern oder aus der Nachbarschaft, deutschsprachig oder aus dem Ausland, Kontakt zu uns suchen, überraschen sie uns mit ihrer Offenheit, ihrem großen Interesse und ihrem spürbaren Wohlwollen. Die Aufnahme, dir wir hier in Köln erfahren dürfen, ist wirklich bewegend. Und deshalb hoffen wir, dass unser eigener Empfang ebenso herzlich und offen empfunden wird. Ja, wir können bestätigen, was Kardinal Meisner bei der Gründungsfeier gesagt hat, in Köln könne man leben wie Gott in Frankreich.

Es ist auch die Zeit, hier Wurzeln zu schlagen, die Gemeinschaft zu verankern, Arbeit zu finden, Köln zu entdecken, Kontakte aufzubauen und die zahlreichen Menschen kennen zu lernen, die das Gebet mit uns teilen. Und vor allem anderen ist es eine Zeit, uns immer mehr darin zu verwurzeln, was den Kern unserer Berufung ausmacht und uns den Rat von Johannes Tauler (rheinischer Mystiker des 14. Jahrhunderts) zu eigen zu machen: „Wir deinen Anker im Rhein aus, das heißt, im Herzen Gottes!“

 

 

 

 

 

Die Schwestern und Brüder von Köln