Zu Weihnachten: Die Krippe von Groß Sankt Martin

Die in der Kriche Groß Sankt Martin aufgestellte Krippe ist nicht einfach ein althergebrachter frommer Brauch, sondern ein Zeugnis lebendigen Glaubens. Vom 22. Dezember bis zum 2. Februar, dem Fest der Darstellung des Herrn im Tempel, können Sie die Krippe außerhalb der Gebetszeiten besichtigen, vor ihr innehalten, eine Kerze anzünden, sich vor dem Jesukind niederknien oder ihr Gebetsanliegen den Brüdern und Schwestern auf den ausliegenden Zetteln anvertrauen. Lassen Sie sich in den Bann der Figuren ziehen, die durch ihre Klarheit wie für die bewusst schlicht ausgestaltete romanische Kirche geschaffen ist.

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Das Kind in unserer Mitte

Im Chorraum sind die Krippenfiguren so aufgestellt, dass sie den Halbkreis der Konche nachzeichnen. Sie stehen vor und auf den einzelnen Stufen, majestätisch und zugleich schlicht, ohne weitere Krippenarchitektur: Das Gotteshaus selbst ist der Stall von Bethlehem, in dem das Kind geboren wird.

 

In der Mitte steht der Trog, in dem das Jesukind, auf Stroh gebettet, ruht. Es ist in der Mitte - denn Gott kommt als Kind in unsere Mitte. So sehr vertraut er uns, dass er uns das Kostbarste schenkt, das er hat: seinen wehrlosen Sohn. Mit seinem diskreten Lächeln und seinen zu uns hin offenen Händen wendet sich der Neugeborene uns zu, und gibt uns ein Beispiel für das rückhaltlose Zutrauen, das ein Kind auszeichnet. Aus eigener Kraft ist es nicht lebensfähig, es braucht andere Menschen. Der Retter der Welt ist auf uns angewiesen.

 

Daneben kniet Maria zu seiner Rechten. Ihre demütige Körperhaltung drückt ihr "Ja" zu Gottes Heilsplan aus. Josef stützt sich ihrer linken Seite andächtig auf seinen Stab. Ihm schließen sich am Fest der Epiphanie die Weisen aus dem Morgenland mit dem eleganten Dromedar an, dessen Fell und Sattel detailiert ausgearbeitet wurden. Auch die Hirten kommen mit ihren Gaben. Bewunderung, Ehrfurcht und Anbetung spiegeln sich in den Haltungen aller Figuren wider.

 

Selbst wenn die in den Evangelien verzeichnete Geschichte die Grundlage für jede Krippendarstellung bleibt, sind aus der Tradition weitere Elemente hinzugekommen. Der Ochse und der Esel sind aus dem Buch des Propheten Jesaja in die Krippe eingezogen. Dort heißt es ganz am Anfang im ersten Kapitel: "Ein Ochse kennt seinen Besitzer und ein Esel die Krippe seines Herrn; Israel aber hat kein Erkenntnis, mein Volk hat keine Einsicht."

Bemerkenswert sind auch eine Frau mit einem kleinen Mädchen, das ein Gefäß hält, mag es eine Opfergabe sein oder ein Krug, um am Quell des lebendigen Wassers zu schöpfen. Die Engel in der angrenzenden Südkonche singen von fern ihr Gloria.

 

Alle dargestellten Personen sind weder geschichts- noch heimatverbunden, sondern zeitlos gestaltet. Keine Krippenlandschaft, kein schückendes Accessoire - nichts soll ablenken von der theologischen Aussage der Heilsbotschaft: "Christus ist geboren. Kommt, betet ihn an."

Die Gestik der Figuren zwingt zum christozentrischen Aufbau. Alle wenden sich dem Kind zu.

Eine theologische Krippe

Die Krippe stellt sich nicht nur erzählend, sondern vor allem theologisch dar. Die frohe Botschaft von Weihnachten "Und das Wort ist Fleisch geworden" ist ins Bild übersetzt, so dass die Gläubigen anschaulich betrachten können, was sie im Gottesdienst erfahren haben.

 

Die Anordnung hat sich dabei ganz der schlichten und schönen Architektur der romansichen Kirche untergeordnet. In der Mitte der Krippe und der Mitte der Ostkonche liegt das Kind. Es iist wahrhaft die Mitte des Universums, das Zentrum des Alls, was durch das runde Gewölbe über dem Chorraum symbolisiert. Es ist ebenso die Krönung der Schöpfung und der Geschichte. Die sieben Nischen, die die Apsis hinter der Krippe gleichmäßig strukturieren, stellen die sieben Tage der Schöpfung dar; sie stehen damit für die Zeit, die auf ihre Vollendung wartete, bis zu dem Tag, als die Ewigkeit in die Zeit durch die Geburt Christi eintrat. Am siebten Tag ruhte Gott nach dem ganzen Werk, das er vollbracht hatte, heißt es im Buch Genesis ( Gen 2,1-3). Als die Zeit erfüllt war, ruhte das Jesukind in der Krippe. Der siebte Tag ist der Tag, an dem sich das "bräutliche Geheimnis" Gottes mit dem Menschen ereignet. Mit der Geburt Christi und der "Erlösung der Zeit" durch die Ewigkeit ist ein neuer Tag angebrochen, der nie vergeht, der achte Tag der Neuschöpfung und der Wiedergeburt des Menschen als Gottes Kind. So gipfelt das Schöpfungswerk im noch größeren Werk der Erlösung, bei dem der menschgewordene Gott Erde und Himmel vereint, das Menschliche mit dem Göttlichen verbindet.

 

Das Kind liegt auf dem Fußbodenmosaik, dass den Lebensbaum darstellt, aus dem die Quellen des Lebens hervorströmen. Unter seinen Zweigen nisten die Vögel, denn "zwischen der Straße der Stadt und dem Strom, hüben und drüben, stehen Bäume des Lebens. Zwölfmal tragen sie Früchte, jeden Monat einmal; und die Blätter der Bäume dienen zur Heiligung der Völker." (Offb 22,2).

 

In den Mosaiken links und rechts sind Hirsche dargestellt, nach Psalm 42: "Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so lechzt meine Seele, Gott, nach dir." Das Buch der Offenbarung bezieht das Motiv des in der Mitte des verlorenen Paradieses stehenden Lebensbaumes - wo die Hauptfiguren der Krippe stehen - als eucharistisches Symbol auf Christus, und verbindet es mit der Vision des endzeitlichen Paradieses: Das "Wasser des Lebens" und die "Bäume des Lebens" werden zu Sinnbildern der Lebensfülle in einer durch Christi Heilstat vollendeten Welt. Christus ist das wahre Leben und die Quelle aller Erlösung. Durch ihn wird die Sünde, die durch die Begierde nach der verbotenen Frucht des Paradiesbaumes in die Welt eingetreten ist, besiegt. Der alte Stammbaum wird nun vollendet und durch den neuen Bund ersetzt. Dem todbringenden Baum wird das lebenspendende Kreuz gegenübergestellt, dass zentral in der Apsismitte steht. Zwischen Altar und Kreuz ruht der Gottessohn. Die Krippe und das Kreuz, Geburt, Hingabe und Tod gehören zusammen. Die Krippe unter dem Kreuz, das Kreuz über die Krippe. Der Lebensweg zwischen Geburt und Tod scheint gerade zu gehen. Sowie das Kind in der Krippe offene Arme und Hände zu uns streckt, bleiben seine Arme auf dem Kreuz ausgebreitet durch alle Zeiten hindurch, um die ganze Welt zu umarmen und zu retten. Seine Arme laden ein, sein Erbarmen anzunehmen. Er kommt in unsere Welt als Kind, hilflos und wehrlos, um unsere Liebe und Güte wachzurufen. Und er bleibt als Gekreuzigter, immer noch hilflos und wehrlos, um uns Menschen weiterhin seine Liebe und seine Vergebung anzubieten.

 

Die ärmlichen Bedingungen in "Bet-lehem", wörtlich: dem "Haus des Brotes" wurden von den Kirchenvätern immer schon als eine Anspielung auf die Hingabe Christi im eucharistischen Brot des Altares verstanden. Papst Benedikt XVI sagte den Jugendlichen anläßlich des Weltjugendtages 2005 in Köln: "In der bescheidenen Grotte von Bethlehem liegt auf ein wenig Stroh das "Weizenkorn", das sterbend "reiche Frucht" bringen wird (vgl. Joh 12,24)  [...] Wenn wir gläubig den Weg des Erlösers von der Armut der Krippe bis zur Verlassenheit am Kreuz an uns vorüberziehen lassen, so verstehen wir besser das Mysterium seiner Liebe, die die Menschheit erlöst. Das Kind, von Maria sanft in die Krippe gebettet, ist der Gott-Mensch, den wir an das Kreuz genagelt sehen werden. Derselbe Erlöser ist im Sakrament der Eucharistie gegenwärtig. Im Stall von Bethlehem hat er sich in der armen Gestalt eines Neugeborenen von Maria, Josef und den Hirten anbeten lassen; in der konsekrierten Hostie beten wir ihn an, der im Fleisch, im Blut, in der Seele und der Gottheit sakramental gegenwärtig ist; und er bringt sich uns dar als Speise des ewigen Lebens."

Ein Kunstwerk von Rosemarie Peter

Die Krippe ist ein Kunstwerk der Kölner Künstlerin Rosemarie Peter, welches sie am Anfang der 1980er Jahre schuf. Zahlreiche Krippen sind ihr Werk, z.B. die Figuren der Stadtkrippe auf dem Roncalli-Platz am Dom und die der Krippe in Köln-Heimersdorf.

 

Die Figuren der Krippe aus Groß Sankt Martin, alle zwischen 80 cm und einem Meter hoch, wirken wie aus schwerem Metall gegossen, sind jedoch aus Ton geformt. Die besondere Oberflächenbehandlung mittels eines speziellen Oxydationsprozesses verleht ihnen das Aussehen patinierter Bronze. Die Figuren zeichnen sich durch ihre Lebendigkeit und Innigkeit aus.

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