Allerheiligen - die Feier aller Heiligen

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Dieser Artikel ist der Zeitschrift Sources Vives (Nr. 39: Tous saints, vergriffen) entnommen und ins Deutsche übersetzt worden.

 

 

 

Der Ort der Gesichter, der Ort der Personen, das ist der auferstandene Christus.

Jesus geht an der Seite der Emmausjünger. Sie erkennen ihn erst, als sie ihn nicht mehr sehen, als allein das Brot blieb, das er geteilt hatte. Die Eucharistie: der Ort, wo die Heiligen, im einzigen Heiligen, uns diejenigen begegnen lassen, die wir seltsamerweise die Toten nennen. Die, die wir tot nennen, schreiben sich ein in den Leib des Gekreuzigten und Auferstandenen. Die Heiligen öffnen ihnen den Weg, die Heiligen, die sich von hier unten schon an mit dem einzig wirklich Lebendigem identifiziert haben: "Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir." Beim Tod, wird die Wahrheit des Leibes, im weiten Sinn, das Angesicht in den Leib Christi hineingenommen, durch die Seele und durch die Gemeinschaft der Heiligen. Bei der Parusie werden alle im Auferstandenen als Auferstandene erscheinen.

 

Das irdische Leben ist nichts anderes als die langsame Entwicklung unseres verherrlichten Leibes. Das Herz und sein Ursprung haben sich nur einen kurzen Moment sehr leicht berührt. Der verherrlichte Leib erwacht und verankert sich in der Seele in den Augenblicken, in der die Körperlichkeit aufhört ein Sein darzustellen, um eine Gegenwart zu werden, eine Sprache, ein Teilhaben: beim Tanz, oder ganz einfach, wenn du in den Bergen unterwegs bist, in der Umarmung der wahren Liebe oder in einer einfachen Geste der Güte, im Lobpreis der Liturgie, und die ganze Welt wird Liturgie, in der reinen Freude am Sein, wenn dein Herzschlag nicht mehr Angst, sondern Gebet ist, in der Stille, die aus dem inneren Menschen eine offene Schale macht.

 

Sicher, das Bild zerbricht, der alte Mensch krümmt sich manchmal elend in sich zusammen. Es zählt, dass der innere Mensch ist daraus löst, daraus erscheint. Beim physichen Tod wird die Barmherzigkeit Gottes die Jahre des Erwachsenenalters unterlaufen, des Alters, um uns auf den Weg zu bringen, den wir als Kinder mit dem Samen der Auferstehung versehen begonnen haben, wir, die kleinen "Poucets"(franz.) des Himmelreichs. Ein Lied, ein Spiel, vor dem Fall. Viel später ebenfalls, nach dem Fall, dieser leise Seufzer, dieser Moment voller Vertrauen: "Herr, hab Erbarmen mit mir, Sünder."

 

Allerheiligen erleuchtet den Tag der Toten, der unser aller Tag ist, die wir so wenig lebendig sind. Mit einem Licht, dass vom Vater kommt, durch den Sohn im Heiligen Geist. Und der Geist "aller Heiligkeit", der Geist aller Heiligen, konzentriert sich in der Ganz Heiligen, der Jungfrau Marie. Und Maria heißt uns willkommen, wird uns willkommen heißen. Jeden Leib, der so wenig glorreich ist, wird sie reifen lassen in ihrem schönen Garten, in ihrem schönen Obstgarten, ihrem schönen Paradies. Wo wir unsere Gesichter in die "Goldblumen" tauchen werden, wofür die zu Allerheiligen gehörenden Chrysanthemen nur ein Symbol sein können.

Olivier Clément

Les saints sont des visages

 

Anmerkung: Olivier Clément, der Autor des Artikels, war ein französischer Theologe, der zum orthodoxen Glauben übertrat. Daher mag auch auch die ungewohnte Art der Wortwahl und Sicht auf Allerheiligen rühren, die wir uns zu übersetzen bemüht haben. Es sei deshalb nachdrücklich auf den originalen französischen Text verwiesen.

 

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