Pfingsten

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1305pfingstenDer Beginn einer neuen Zeit - die Zeit der Kirche

Sieben Sonntage und einer dazu: wie der "achte Tag", so beschließt der 8. Sonntag der Osterzeit nicht eine besondere Zeit, sondern eröffnet eine neue.

Pentecostes hieß der 50. Tag nach dem Paschafest, daher auch unser Name für diesen Tag: Pfingsten. Am 50. Tag nach dem Durchzug durch das rote Meer war das Volk in der Wüste von Gott besucht worden, der mit ihm einen feierlichen Bund geschlossen und ihm das Gesetz gegeben hatte, geschrieben auf Tafeln aus Stein. Am 50. Tag nach dem Pascha Christi durch die Wasser des Todes wurde das neue Volk - die Apostel um Maria - von Gott besucht, der seinen ewigen Bund erneuerte und seinen Geist sandte, um das neue Gesetz der Liebe auf die Tafeln des Herzens schreiben zu lassen. So legt sich die Bedeutung unseres christlichen Festes über die des jüdischen, ohne sie zu verdecken: Pfingsten bleibt der Abschluss des Osterfestes und ist wie ein Siegel Gottes, das er auf sein Heilswerk gelegt hat.

Pfingsten feiert den Tag, an dem der Geist des Herrn auf die Apostel herabkam, die sich mit Maria im Obergemach in Jerusalem seit der Himmelfahrt aufhielten, gemäß dem Wort Jesu: "Geht nicht weg aus Jerusalem, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters, die ihr durch mich vernommen habt. Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft" (Apg 1,4-5). Dieser Geist ist von Anfang an, noch vor der Erschaffung der Welt, in den Heiligen Schriften gegenwärtig, wie Wegmarken der Heilsgeschichte bis hin zu seiner Ausgießung über die Kirche. Er ist "der Erbauer dieser lebendigen Einheit, der zugleich Leben und Kraft des Gottesvolkes ist, seinen inneren Zusammenhang gewährleistet und das nachdrückliche Festhalten an seiner Sendung bewirkt. Der Geist ist die Quelle vielfältiger Gaben. Er stiftet auf wunderbare Weise Eintracht, er ist das Licht, und von ihm kommt die Schönheit der schöpferischen Kräfte des Gottesvolkes" (Lumen Gentium 4-21°). Mit dem Pfingstereignis beginnt die Zeit der Kirche, die nach der Himmelfahrt Christi aus der Gewissheit der Auferstehung lebt, und den Tag seiner Wiederkunft in Herrlichkeit erwartet. Für diese Zwischenzeit ist ihr der Geist als Begleiter, Tröster und Beistand gegeben, der Geist der Wahrheit, der nicht aus sich selbst heraus redet, sondern sagt, was er hört, und verkündet, was kommen wird (vgl. Joh 16,13). Dazu teilt er "einem jeden seine besondere Gabe zu, wie er will" (1 Kor 12,11). Der Geist macht die Kirche durch seine Gaben lebendig, und nicht trotz, sondern wegen der Vielfalt ver verschiedenen Gnadengaben versammelt er die Kirche in der Einheit. Denn es ist immer derselbe Geist, "durch den einen Geist werden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen" (1 Kor 12,13). Die Gabe des Geistes ist für jeden bestimmt und muss zum Ferment der Einheit unter den Menschen führen.

 

Damit steht die Kirche von ihrem Anfang an unter der Führung des Geistes, der in ihr die verschiedenen Dienste weckt, damit sie allen nützen. Und "wenn wir aus dem Geist leben, dann wollen wir dem Geist auch folgen." (Gal 5,25). Seine Gaben sind uns geschenkt, sie erneuern die Herzen und setzen so ihr Werk in der Welt fort. Das Feuer, das im Obergemach in Jerusalem entzündet worden ist, brennt in den Herzen der Städte, denn es brennt in jedem lebendigen Glied der Kirche.

 

In den Gemeinschaften von Jerusalem wird dem Heiligen Geist viel Raum gegeben, so beginnt keine Gebetszeit, ob öffentlich gefeierte Liturgie oder privat gehaltene Schriftlesung (lectio divivna) in der Zelle, nie ohne ein Lied oder ein Gebet zum Heiligen Geist - denn er ist es, der lebendig macht, und der als einziger recht zu beten weiß und uns den Sinn der im Geist geschriebenen Heiligen Schrift erschließen kann. Wer ein geistliches Leben führt, vertraut sich seiner Führung an und lässt sich vom Geist verwandeln in ein Kind Gottes. So kann Pfingsten für jeden persönlich zum Fest des eigenen Glaubensweges werden.

 

Um die Bedeutung des Pfingstereignisses für die Kirche und für jedes einzelne Glied an ihr in dieser Zeit auf Erden mehr hervorzuheben, hat sich in den Pariser Gemeinschaften eine besondere liturgische Ausprägung der Pfingstvigilien herausgebildet, die in ihrer Anlage der Gestalt der Osternacht entspricht, aber von ihren Texten und Riten her ganz auf den Geist ausgerichtet ist. Auch sie schließen mit der Feier der Heiligen Messe, in der besonders das vom Geist Gesendetsein zum Ausdruck kommen kann. In dieser Weite feiern wir in unseren Gemeinschaften in Köln die Vigilien nicht, doch haben wir ein sehr schönes Element daraus übernommen: in der Mitte der Vigilfeier ruft der Zelebrant vom Altar aus auf die versammelte Gemeinde die Gaben des Heiligen Geistes herab, wie sie uns der Prophet Jesaja verheißt - Weisheit und Einsicht, Rat und Stärke, Erkenntnis und Gottesfurcht, Frömmigkeit (vgl. Jes 11,2):

Heiliger Geist, schenke uns die Gabe der Weisheit,

damit wir erkennen, dass Gott in unserer Welt gegenwärtig ist und sich uns offenbart. Lehre uns, alles im Licht Gottes anzusehen und dabei immer die Hoffnung auf das ewige Leben zu bewahren.

Heiliger Geist, schenke uns die Gabe der Einsicht,

die uns im Glauben unterweist, uns den tieferen Sinn der Glaubenswahrheiten erschließt und uns ihre innere Schönheit begreifen lässt. Lass uns den Glauben, den die Kirche uns lehrt, mit liebevollem Herzen und mit Einsicht empfangen.

Heiliger Geist, schenke uns die Gabe des Rates,

damit wir den Willen Gottes erkennen können auch in schwierigen Momenten. Bewahre uns vor unüberlegten Entscheidungen, leite uns immer und überall durch deine Behutsamkeit.

Heiliger Geist, schenke uns die Gabe der Stärke.

Gib uns Mut, wenn wir auf dem Weg zum Heil Prüfungen bestehen und überwinden müssen.

Heiliger Geist, schenke uns die Gabe der Erkenntnis.

Leite uns Tag für Tag im Licht des Glaubens und mache uns fähig zu erkennen, was uns zu dir führt.

Heiliger Geist, schenke uns die Gabe der Frömmigkeit.

Lehre uns voll Vertrauen beim Vater zu bleiben, der liebevoll auf uns schaut. Mach uns zu Zeugen, die deine Liebe an alle Menschen weitergeben.

Komm, Heiliger Geist mit der Gabe der Gottesfurcht.

Lass in uns das Bewusstsein für die Größe und die Allmacht Gottes wachsen, dass wir niemals gegen sie verstoßen.

 

Die Gemeinde antwortet auf jede Bitte mit einem feierlichen Amen. Dnach besteht die Einladung, einzeln vor einen der Priester zu treten und sich in Stille die Hände auflegen zu lassen, um um die Gabe zu bitten, die man besonders braucht. So kann der segnende Zuspruch Gottes zum eigenen Lebensweg noch einmal anders erfahren und lebendig werden.

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